1. Regionsgipfel: Leerstand und Ortskernbelebung

1. Regionsgipfel: Leerstand und Ortskernbelebung

Das Format des Regionsgipfels ermöglicht GemeindevertreterInnen und Interessierten Zugang zu Fachwissen, das aus Perspektive der Regionalentwicklung von aktueller Bedeutung ist. Ziel ist es, den Gemeinden spannende Inputs für ihre Weiterentwicklung und die Möglichkeit zu geben, unter professioneller Begleitung Projekte zu entwickeln.

© RML

Gesunde Ortszentren im Fokus der Regionalplanung

Für beinahe jede Region in ländlichen Gebieten ist die Abwanderung der jungen Leute, leerstehende Ortskerne und der Verlust von Infrastruktur ein ernst zu nehmendes Thema. Zahlreiche Leerstände in den Ortszentren und das damit einhergehende Fehlen von Frequenzbringern ist eine große Herausforderung für viele Gemeinden. Doch welche Möglichkeiten gibt es, dieser Problematik entgegenzuwirken, Leerstände wieder zu aktivieren, Lösungen zur Nachnutzung zu entwickeln und dadurch einer Neubelebung der Ortskerne den Weg zu ebnen?

Erfolgsmodelle bringen Ideen für die Ortsrevitalisierungen

In einem eintägigen „Regionsgipfel“ kamen am 18. März 2019 in der HBLFA Raumberg-Gumpenstein ExpertInnen aus der Raumplanung mit den Schwerpunkten Revitalisierung von Ortskernen und Innenstadtentwicklung zu Wort, wurden Best-Practice Beispiele im Bereich von Wohnmodellen für junge Erwachsene, Reaktivierung von ausrangierten Zugwaggons zu Waggon-Hotel Suiten, Online-Wirtschaftsplattformen usw. aufgezeigt und gleichzeitig Raum für Erfahrungsaustausch geschaffen. Ziel war es, die BürgermeisterInnen, GemeinderätInnen und Interessierten über Erfolgsmodelle zu den Themen Junges Wohnen, Nahversorgung und Tourismus zu informieren. Darauf aufbauend konnten dann eigene Projekte zu ebendiesen Themen entwickelt und umgesetzt werden. Begrüßt wurden die 45 TeilnehmerInnen von LAbg. Bgm. Armin Forstner, dem stellvertretenden Vorsitzenden des RML und Dir. Mag. Dr. Anton Hausleitner, Direktor der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Armin Forstner wies darauf hin, dass es ihnen ein Anliegen sei, die Gemeinden bestmöglich in der Entwicklung und Umsetzung von Projekten zu begleiten und zu unterstützen.

ExpertInnen diskutieren zu Junges Wohnen, Nahversorgung und Tourismus

In Impulsvorträgen von o.Univ.-Prof. DI Dr. Gerlind Weber, Ing. Erich Biberich und Mag. Dr. Gaby Pils sowie Präsentationen von Best-Practice Beispielen wurde die Thematik von verschiedenen Seiten beleuchtet, Herausforderungen und Fehlentwicklung aufgezeigt sowie Lösungsansätze präsentiert.

„Das Bemühen leerstehende Geschäfte wieder einer Nutzung zuzuführen, reicht nicht aus, um eine Belebung der Zentren herbeizuführen. Die Revitalisierung von Ortskernen kann nur gelingen, wenn die Entwicklung der an der Peripherie liegenden Gebiete gedrosselt wird.“
o.Univ.-Prof. DI Dr. Gerlind Weber, Raumwissenschaftliche Konsulentin

„Trofaiach bekannte sich zur Stärkung seines Zentrums und setzte einen Prozess unter Beteiligung der Bevölkerung in Gang, der schrittweise wieder Leben in die Innenstadt zurückbrachte. Gezieltes Leerflächenmanagement und Standortmarketing ließen wieder neue Geschäfte entstehen, der Leerstand wurde minimiert.“
Ing. Erich Biberich, Innenstadtkoordinator Stadtgemeinde Trofaiach

„Enkeltaugliche Zukunft versus Verlust der Mitte: ein belebter Ortskern mit Nahversorgern, Geschäften und Orten der Begegnung sind Teil jener Lebensqualität, welche wir auch unseren Enkelkindern wünschen. Was können wir tun, um diese zu fördern und aufrecht zu erhalten? Wer oder was macht es aus, dass manche Gemeinde „leer steht“?“

Mag. Dr. Gaby Pils, Konsulentin für Kommunen, ehem. Geschäftsführerin Stadtmarketing Enns

„Durch die Umgestaltung historischer, ausrangierter Waggons entstand die erste Waggonhotel-Suite Europas als ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit. Versorgt werden die Wagen von einem Hotelbetrieb, der sich in unmittelbarer Nähe der Waggonhotel-Suite befindet. Ziel ist die Belebung des verwaisten Bahnhofareals.“
Dr. Wolfgang Berger, Geschäftsführer LEADER-Region Oststeirisches Kernland

„Junge Erwachsene wollen im ländlichen Raum gute Perspektiven für ein modernes Leben vorfinden, damit sie gerne bleiben oder zurückkommen. Ziel ländlicher Gemeinden soll sein, attraktive Wohnformen zu schaffen, welche den Bedürfnissen der jungen Erwachsenen entsprechen.“
DI Richard Steger, Geschäftsführer Architekturfachgeschäft

Unternehmen benötigen für ihren Standort Kundenfrequenz und Sichtbarkeit. Deshalb wird bei sinkenden Kundenzahlen oft die Flucht aus dem Zentrum angetreten. Mit einer gemeinsamen digitalen Präsenz der Betriebe lassen sich stationäre Standorte im Ortszentrum sichern.“
Hubert Loschek, Geschäftsführer RS Regionale Shops

„An der TU Dresden wurde ein „digitaler Werkzeugkasten“ für Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung konzipiert und umgesetzt. Gemeinsam mit Architekten könne BürgerInnen damit Gestaltungslösungen mittels Virtual Reality, interaktiven Touchtischen oder einem Handy-basierten Stadtplanspiel erarbeiten.“
DI Benjamin Stelzle, Wissensarchitekt bei TU Dresden

„Das Regionalmanagement des Bezirkes Liezen unterstützt die Umsetzung der Klima- und Energiestrategie des Landes Steiermark. Wichtiges Anliegen ist, BesitzerInnen leerstehender Liegenschaften über nachhaltige Sanierungs- und Fördermöglichkeiten aufzuklären, um Kosten zu sparen.“
Ernst Nussbaumer, RML Regionalmanagement Bezirk Liezen

„Im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen entsteht ein Resort, bestehend aus kleinstrukturierten Beherbergungsbetrieben, für die ein gemeinsames Management aufgebaut wird. BesitzerInnen von wenig genutzten Zweitwohnungen und Wochenendhäusern können diese zur Verfügung stellen, um der Leerstandsproblematik entgegenzuwirken.“
Andreas Danner, Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen

Im Anschluss an die Impulsvorträge und Best-Practice Beispiele wurden in drei Arbeitsgruppen mögliche interkommunale Projekte entsprechend den Schwerpunkten diskutiert und erste Skizzen für das Arbeitsprogramm 2020 gemacht.

1. Regionsgipfel: Leerstand und Ortskernbelebung

  • Zugang zu Fachwissen in den Bereichen Nahversorgung, Junges Wohnen und Tourismus
  • Projektentwicklung für Gemeinden
  • Aufzeigen von verschiedenen Möglichkeiten um Leerstände wieder zu aktivieren
  • Unterstützung für Gemeinden, BürgermeisterInnen und BesitzerInnen um Lösungen für die Nachnutzung von Leerständen zu entwickeln

Videoclip


1. Regionsgipfel zum Thema Leerstandsmanagement und Ortstkernbelebung am 18.03.2019 in der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Downloads







Ein intakter Ortskern ist das Tafelsilber einer Gemeinde – ihre Visitenkarte und ihr Aushängeschild.
         o.Univ.-Prof. DI Dr. Gerlind Weber
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